![]() Bericht: Radsportzeitung - Nachwuchsarbeit RADSPORT-SERIE: Nachwuchsarbeit in den Vereinen Die Little-Radballer kommen RSV Gifhorn: Hallenradsport-Boom in Niedersachsen – "Fahrrad-Fußball" ist in Manchmal ist es ganz simpel, eben einfacher, als man es sich vorstellt. Im Sommer mit dem Sohn im heimischen Garten Radball spielen - und schon steht der gesuchte Nachwuchs auf der Matte, ja förmlich Schlange. Dabei waren die Verantwortlichen des Radsportvereins "Löwe" Gifhorn jahrelang darum bemüht, Jungs für den Radball- Sport zu begeistern. Seit 1978 hatte man an zwei städtischen Schulen hierfür sogar Arbeitsgemeinschaften initiiert. Allerdings mit eher mäßigen Erfolg. "Die meisten sind nach kurzer Zeit im Verein wieder abgesprungen", erzählt Pressewart Frank Rowold. So klaffte in der Vereins-Jugend eine große Lücke. Das Aushängeschild des Clubs sind nach wie vor die Zwillinge Ingo und Frank Rowold. Zusammen spielen sie schon seit 1969, da waren sie selbst gerade einmal sieben Jahre alt. Nach Rücktritt und Comeback gehen sie derzeit in der Oberliga Niedersachsen auf Tor- und Punktejagd, haben aber auch Zweitliga-Erfahrungen und drangen 1992 im Deutschland-Pokal bis ins Viertelfinale vor. Ein Jahr zuvor, 1991, verpassten die Rowolds den Aufstieg ins Oberhaus nur ganz knapp. Der 2. Platz beim UCI-Weltcupturnier in Malaysia im Februar 2008 ist neben Einsätzen bei Ländervergleichskämpfen für den BDR aber ihr absolutes Highlight gewesen. "Doch mit 46 Jahren schaut man schon mal, was hinter einem kommt", sagt Feldspieler Frank. Zumal die beiden mit Sorgenfalten ins neue Jahr blicken. Frank plagen Rückenprobleme. "Radball ist jetzt noch tabu", sagt er und hofft auf Besserung bist zum Saisonstart am 1. November. In den weiteren drei aktiven Männer-Mannschaften ist der jüngste Spieler Jahrgang 1982, der Rest zwischen 30 bis 49 Jahre alt. Frisches Blut fehlte bislang. Gerade einmal auf einem Jugendteam Jan Rowold (15) und Thomas Mensch (17), ruhten die Hoffnung für die Zukunft. Doch seit 2006 hat der kleine Verein aus dem 42.000-Seelen Kreis-Städtchen in Niedersachsen einen regelrechten Boom zu verzeichnen. "Little-Radball" - Training mit den Kleinsten ab drei Jahre, heißt das Geheimnis. Wie es dazu kam? Daran erinnert, sich Tormann Ingo genau: "Ich habe im Sommer 2006 meinen damals sechsjährigen Sohn Cedric eines Tages mit zum Training genommen. Dort sollte ich ihm meine Pokale in unserem Vereinsraum zeigen. Einen hat er natürlich mitgenommen", lacht er. "Und dann wollte er im Keller mein Radballrad sehen." Was dann geschah, brachte den Stein ins Rollen: Beim Gang ins Untergeschoss entdeckte Cedric ein altes Kinderfahrrad, umgebaut zum Radball-Bike. "Dieses Rad musste mit nach Hause, und meins natürlich auch", habe ihn sein Filius dazu gedrängelt. Somit war bei schönem Wetter in Ingo Rowolds Garten Rasen- Radball angesagt. "Dabei haben uns dann Cedrics Kumpels aus dem Kindergarten erwischt", lacht der Jugendwart. Und prompt sei die Mutter von seinem besten Freund mit einem alten Kinderfahrrad angekommen. "Das sollte nun ebenfalls umgebaut werden." Zusammen mit Opa Rowold wurde das Gefährt tatsächlich aufgemotzt: "Rücktritt raus, vorne und hinten Kettenräder abgeflext, Radball-Kränze angeschweißt, den Lenker entfernt und einen Radball-Lenker drauf gesetzt, der hat zum Glück gleich gepasst, fertig war das zweite Unikat", gibt Ingo Rowold die Kurzversion zum Besten. Das Gartentraining sprach sich im Kindergarten schnell rum. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Story vom "Fahrrad-Fußball". Und kurz darauf gründete der Jugendleiter die Trainingsgruppe "Little Radballer", in der seither rund 20 Jungen zwischen drei und 14 Jahren regelmäßig trainieren. Dienstags und freitags für je eineinhalb Stunden. "Ich hätte nicht gedacht, dass das mit den ‘Littles‘ so ein Spaß macht", strahlt Ingo Rowold. "Und wenn es Freitag nicht klappt, geht‘s sogar Sonntags mit Kaffee und Kuchen in die Halle", schmunzelt er. Die Schul-AG wurde aus Zeitgründen erstmal eingestellt. Die neue Gruppe muss hingegen demnächst aufgesplittet werden. "Damit wir sie besser fördern können", will Frank Rowold den vorhandenen Ehrgeiz der Trainer erst gar nicht verleugnen. "Die Jungs ziehen aber auch super mit. Und die Eltern unterstützen uns zum Glück bestens." Und so überraschte der RSV Gifhorn, pünktlich zum 100-Jährigen Jubiläum 2007 sogar den amtierenden Weltmeister Mainz-Hechtsheim (Thomas Abel/Christian Heß) mit seinen vielen Mini-Radballern. Beim UCI-Weltcupturnier im Mai, das Gifhorn austrug, staunte Abel, BDR-Mitarbeiter im Referat Leistungssport, nicht schlecht: "Ich bin begeistert von der Jugendarbeit. Es ist toll, dass sich Gifhorn so rührig um den Nachwuchs kümmert." Das Ergebnis nach knapp zwei Jahren mühevoller aber auch spaßiger Trainingsarbeit: In der gerade angelaufenen Saison treten insgesamt neun Nachwuchsteams im Punktspielbetrieb an den Start. "Das hat‘s seit zwei Jahrzehnten nicht mehr gegeben", kann es Frank Rowold immer noch nicht so ganz fassen. Bei den U13 stellen die Gifhorner Löwen mit fünf Teams beinahe die Hälfte der Liga. Der Jüngste dabei, Luis Lehrach, ist acht Jahre. Team II mit Christian Kramer und Marcel Simon führt nach fünf Spielen sogar die Tabelle an. In der U15 sind zwei Duos in die Liga gestartet. Zwei weitere Mannschaften drehen erstmal eine Warteschleife. "Die sind noch nicht soweit, um schon bei den Punktspielen mitzumachen. Wenn sie dabei bleiben, dürfen sie aber nächstes Jahr auch ran", so Frank Rowold. Dem nicht genug, tummeln sich ebenfalls seit 2006 auch wieder Kunst- und Einradradfahrerinnen in der kleinen Sporthalle des Humboldt Gymnasiums. "In der Schul-AG haben die Mädchen immer wieder gefragt, was sie denn außer Radball machen könnten. Nur leider hatten wir bis dahin nie jemand, der die Kinder hätte trainieren können", schildert Frank Rowold. Zufälligerweise verlagerte Stefanie Hallmann, eine ehemalige Kunstradfahrerin zu dieser Zeit ihren Wohnsitz von Othfresen nach Gifhorn. Seither fungiert sie als Übungsleiterin und hat momentan sieben Mädels unter ihrer Leitung. Die hatten ebenfalls beim Weltcup 2007 ihren ersten großen Auftritt. Dass keiner abspringt, dafür lassen sich die vier Rowold-Brüder - neben Ingo und Frank sind die beiden älteren Uwe (59) und Jens (49) ebenenfalls stark im Vereinsleben eingebunden - und Vereinsvorsitzender Andre Komnick einiges einfallen. Zwei jährliche Trainingswochenenden und Zeltlager sowie Turnierteilnahmen bei befreundeten Vereinen haben dafür gesorgt, dass seit Gründung der Mini-Gruppe erst ein Junge aufgehört hat, erzählt Frank Rowold stolz und sagt: „Wir müssen die Kids ja bei Laune halten.“ Bei Radball-Spieltagen sind die Jungs jedenfalls bestens auszumachen. Jeder hat ein T-Shirt mit einem Radball-Motiv auf dem Rücken und seinem Vornamen mit großen Lettern über den Bauch gedruckt. Also Augen auf, wenn es heißt: Die Little-Radballer kommen... Quelle: Radsportzeitung Nr. 44 vom 28.10.08 Stefan Thomé ![]() Eine starke Truppe voller wilder Kerle: Die Radball-Jungs aus Gifhorn haben extremen Spaß am „Fahrrad-Fußball“ ![]() Einige sind gerade dem Pampers-Alter entwachsen… Sohn Cedric brachte den Stein ins Rollen Vereins-Info Radsportverein Löwe Gifhorn von 1907 e.V. Gegründet: 15. Juli 1907 1. Vorsitzender: Andre Komnick Heidbrooksring 35 38536 Meinersen E-Mail: vorsitzender@rsv-loewe-gifhorn.de Internet: www.rsv-loewe-gifhorn.de Die Nachwuchs-Teams: U13: Christian Kramer/Marcel Simon, Henry Vespermann/Martin Ochsner, Cedric Rowold/Tim Busse, Lukas Lehrach/Nils Haagn, Maik Brandes/Louis Lehrach, Ersatz Kilian Müller, Paul Stapel U15: Domenik und Maxmilian Nilßon, Jonas Meyer/Christoph Schilling. ![]() Voller Eifer dabei: die Jungs mit den schwarzen T-Shirts In der U13 stellt Gifhorn die Hälfte der Liga Jugendleiter Ingo Rowold (r.) muss auch als Schiri ran ![]() zurück ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |